Donnerstag, 12. Mai 2016

Zeit

Servus ihr Lieben,

als Kind habe ich die Geschichte von Momo nie so richtig verstanden. Wie kann man keine Zeit für sein Leben haben? Und diese grauen Männer von der Zeitsparkasse haben mir furchtbare Angst eingejagt. Ich nahm mir vor, mich immer gut vor ihnen zu verstecken. Nie würde ich einer von diesen Erwachsenen werden, die sich keine Zeit mehr für Wichtiges und Schönes nehmen.
Momo beim kleine großen Glück 
Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, da schwor ich mir, mir immer bewusst Zeit für meine Kinder zu nehmen, für Menschen, die mir am Herzen liegen und für all die Dinge, die ich gerne tue. 
Und nun? Heute hat mich die Zeitsparkasse voll erwischt. Zeit ist für mich ein regelrechter Stressfaktor geworden. Meine Tochter bezeichnet mich manchmal als hetzig und gestresst.
Wie oft habe ich Einladungen oder Verabredungen abgelehnt, weil ich ja sooo viel zu tun habe. Zeitsparen. Auch für meine Herzensdinge wie das Bloggen, aufwendig kochen, schwimmen oder spazieren gehen habe ich mir einfach keine Zeit genommen.Zeitsparen. Aber wem dient das? Wirklich mir? Oder eher dem System, dass alles zu bestimmen scheint? Höher. Schneller. Weiter. Zeitsparen. Mehr schaffen in kürzerster Zeit. Alles wird automatisiert und die Nähe zwischen den Menschen geht verloren. Zeitsparen. Doch zu welchem Preis?
Zeitsparen
In der wenigen Zeit, in der wir wirklich nichts zu tun hätten, stopfen wir uns voll mit Informationen, schauen aufs Handy, schreiben schnell eine Sms, telefonieren...Zeitsparen. Nicht nachdenken. Funktionieren.
ABER!
Für mich funktioniert es so nicht mehr! Ich will innere Ruhe und Frieden und meine ZEIT! 
Vor kurzem erst habe ich Momo nochmals gelesen und bin zutiefst berührt. Dieses Buch besticht durch Weisheit und Tiefgründigkeit. Unheimlich, wie wahr dies alles scheint. 
Ich kann meine alten Gewohnheiten schwer von heute auf morgen ändern. Also gehe ich einen Schritt nach dem anderen und versuche bewusst und achtsam zu sein, so gut ich kann. Ich bin mir sicher, die Hektik und Schnelllebigkeit macht uns auf Dauer kaputt. Es ist ein Prozess und ich darf wieder lernen, was Achtsamkeit und Entschleunigung bedeutet.
Und vor allem darf es Spaß machen! Das ist ganz wichtig. Nun koche ich wieder bewusst, schneide das Gemüse mit dem Messer statt der Küchenmaschine und knete meinen Teig von Hand. Ich versuche mir Zeit zu nehmen für meine Lieben. Und ich möchte wieder richtig zuhören können, ganz bewusst und ganz wach, ohne darauf zu brennen, meinen Senf dazugeben zu können.
Könnt ihr das noch? Wie ist das bei euch mit der Zeit?

Ich wünsche euch viele kostbare Stunden...
Alles Liebe,
eure Susanne